Weizbergkirche

Noch vor der Gründung von Weiz soll das erste Gotteshaus auf dem Weizberg in der Mitte des 11. Jahrhunderts errichtet worden sein. Der genaue Bautermin läßt sich aber nicht feststellen. Die Kirche war immer der Gottesmutter geweiht, zuerst "Maria Himmelfahrt", später dann der "Schmerzhaften Muttergottes".

Nach mehreren Um- und Zubauten in der Gotik und im Frühbarock erwirkte der Dechant und Erzpriester Dr. Paul Hieronymus Schmutz 1755 die bischöfliche Zustimmung zu einem Neubau. Im November 1758, nach nur zwei Jahren Bauzeit, war die neue Kirche vollendet. Nach Abschluß der Innenausstattung konnte die neue Weizbergkirche im Jahre 1776 feierlich geweiht werden. 

Die Geschichte der Weizbergkirche

Der steirische Geschichtsschreiber Aquilin Julius Caesar wußte im 18. Jahrhundert noch zu berichten: "Die alte Kirche zu Waizberg ist unter dem Schutz Maria Himmelfarth im Jahre 1065 von den Herren von Ratmansdorf wenigstens einen Theil noch erbauet worden", einen urkundlichen Beweis konnte er für diese Feststellung jedoch nicht beisteuern. Noch zwei weitere Hinweise lassen sich für die Existenz dieser Kirche im 11. Jahrhundert heranziehen: Ein Kupferstich im Steiermärkischen Landesarchiv trägt im Titel die Jahreszahl 1047 und ein Wappenstein der Grafen von Radmannsdorf, der über dem Portal der alten Kirche angebracht war, soll das Jahr 1065 getragen haben. Das in der Nähe des Marktes ansässige Adelsgeschlecht der Radmannsdorfer habe der Kirche gegenüber eine "fromme Wohltätigkeit" praktiziert.

Die erste Kirche am Weizberg dürfte – ähnlich wie die frühen mittelalterlichen Burgen – ein Holzbau gewesen sein. Ab der Mitte des 12. Jahrhunderts ersetzte man sie durch eine gemauerte, einschiffige, romanische Chorturmkirche mit einem zweigeschossigen Ostturm. Sie war zunächst der Urpfarre St. Ruprecht an der Raab unterstellt war, erhielt jedoch 1140 eigene Pfarrechte.

Die alte Pfarrkirche

Das Steinrelief auf dem Brüstungsfeld der doppelarmigen Aufgangsstiege zur heutigen Kirche zeigt vermutlich die alte Pfarrkirche auf dem Weizberg; sie war "Mariä Himmelfahrt" geweiht. Mitte des 14. Jahrhunderts fügte man dem alten Bau im Osten eine gotische Apsis hinzu, wodurch die Kirche auch vergrößert wurde. Im 15. Jahrhundert erweiterte man des Gotteshauses auf drei Schiffe und zog ein gotisches Rippengewölbe ein. Dem Stiegenrelief zufolge handelte es sich wahrscheinlich um eine Staffelkirche mit erhöhtem Mittelschiff.

Die Seitenschiffe der gotischen Kirche waren niedriger als der mittlere Chor, und somit wurde das Mittelschiff schlecht ausgeleuchtet. Dies wurde auch mit dem Einbau von sechs Oratorien durch den Baumeister Franz Isidor Carlone nicht behoben.

Der dunkle und enge Kirchenraum entsprach nicht dem barocken Raumempfinden der Zeit, und so kam es schließlich zum Abriß der alten, und zum Neubau der heutigen, spätbarocken Pfarrkirche auf dem Weizberg.

Der Neubau der Pfarrkirche

Trotz aller Um- und Zubauten war die Pfarrkirche Mitte des 18. Jahrhunderts zu klein geworden und der amtierende Dechant und Erzpriester Dr. Franz Leopold Riedlegger dachte erstmals ernstlich an einen Neubau. Im Jahre 1746 bat er im Verein mit den Kirchenpröbsten um die Genehmigung. Eine Anfrage an den Vogt wurde negativ beschieden, obwohl bereits ein Grundrißentwurf von Joseph Hueber vorhanden war. Es sollte Riedlegger nicht gegönnt sein, seine Pläne zu verwirklichen; dennoch machte er sich um den Neubau sehr verdient: Er beschloß einen kühnen, kostspieligen Neubau, gewann dafür den befähigsten steirischen Architekten und trug persönlich zur Finanzierung des Baus bei, indem er die Kirche zu seinem Universalerben erklärte. Über sein Gesuch an den Bischof und den Vogt erfolgten allerdings keine Bescheide.

Riedleggers Nachfolger Dr. Paul Hieronymus Schmutz, der am 14. Februar 1755 zum Pfarrer, Dechant und Erzpriester bestellt wurde, griff die Pläne seine Vorgängers alsbald auf: am 27. Februar hielt er Einzug in Weiz und bereits im August suchte er in einem Schreiben um den bischöflichen Konsens zum Kirchenbau an, zitierte Riedleggers Testament und vermerkte sodann, daß die Kirche sich beim "letztgewesenen Mariae Himmelsfahrtstage" bei der Abspeisung von 8000 Kommunikanten als viel zu klein erwiesen hatte.

Am 4. November 1755 konnte er die Zustimmung zu einem Neubau nach einem Grundriß von Joseph Hueber erwirken. Der Kontrakt enthielt folgende Bestimmung: Innerhalb zweier Jahre sollten Hauptmauern, Wölbung und Dach vollendet sein. Damit der Gottesdienst keine Unterbrechung erleiden möge, sollte in jedem Jahre eine Hälfte des alten Gebäudes abgerissen und wieder aufgebaut werden. Im November 1758 war nach nur zwei Jahren Bauzeit der Außenbau vollendet, zwölf Jahre später konnte man mit der Ausstattung des Gotteshauses beginnen. 

Kunstgeschichte 

Die Wallfahrtskirche am Weizberg wird als Huebers Hauptwerk angesehen. Hier wird der Grundrißtypus des spätbarocken Einheitsraumes überzeugend vermittelt, da eine organische Verschmelzung von Zentral- und Longitudinalbau gelang.

Der Grundriß der Kirche bildet ein äußeres Rechteck, das durch eine reiche Kurvenbewegung innen akzentuiert wird. Die einschiffige Wandpfeilerkirche besteht aus drei queroblongen Jochen, wobei das mittlere breiter angelegt ist und seitlich angefügte flachelliptische Konchen (halbrunde Seitenaltarräume) besitzt, die am Außenbau deutlich hervortreten; es ist mit einer flachen ovalen Pendentifkuppel überwölbt, die außen nicht in Erscheinung tritt. Die beiden schmäleren Joche sind mit böhmischen Flachkuppeln, sogenannten "flachen Platzelgewölben" überspannt. Im Westen schließt ein eingezogener (schmaler als das Hauptschiff) einjochiger Chor mit einer flachelliptischen Apsis an. Seitlich am Chor befinden sich links die Sakristei und rechts die alte Wachskammer. Von zwei Türmen flankiert ist im Osten die Vorhalle mit darüber befindlicher Orgelempore angefügt; das unterste Geschoß der Türme beherbergt links eine Kapelle (Kreuzkapelle) mit dem Taufstein und rechts einen Nebenraum.

Die Gestaltung des Außenbaues kulminiert in der Zweiturmfassade, der Südseite – nach einem Brand 1792 wurden die ursprünglichen Zwiebelhelme durch einfache Zeltdächer ersetzt. Der schmale Bauplatz zwang Hueber zu einer "beengten" Lösung, die er in barocker Manier durch dynamische Verschränkung der Bauteile löste. Dabei wird der übergiebelte Mittelteil von den Türmen gleichsam eingeengt, sodaß er mit seinen vorgedrückten Außenseiten diese leicht überschneidet, während er gegen die Mitte zu einschwingt. Das ausladende Hauptgesims hält die scheinbar widerstrebenden Teile kraftvoll zusammen. Die Vertikalgliederung erfolgt durch Pilaster im unteren Geschoß und den Turmaufbauten. In der Nische des Obergeschoßes befindet sich seit 1832 die Statue der Himmelskönigin von Joh. Zeilinger d. Ä. (1. Viertel 18.Jh.). Die Außengliederung von Langhaus und Chor erfolgt durch einfache Lisenen. 

Sowohl an der Außenfassade als auch in der Vorhalle und der linken Turmkapelle sind einige wertvolle Grabsteine aus dem alten Krichenbau bewahrt worden. Das Rotmarmor-Epitaph für Otto III. von Radmannsdorf, um 1430, mit der seltenen Darstellung des Christus in der Kelter. Die Grabplatte zeigt das Wappen der Radmannsdorfer (3 Hufeisen im Querbalken) und jenes von Sturmberg (Krebs als Wappentier). Weiters befindet sich in der Weizbergkirche noch der Grabstein des Conrad Freiherr von Tannhausen, gestorben 1607, mit versammelter Familie (die Stifter) und Kreuzigungsdarstellung. Die Grabinschrift lautet:


"HIE . LIGT . BEGRABEN . DER . WOLGEBORN . HERR . HERR . CONRAD . FREYHER . VON . THANHAVSEN . AVF . OBERFLADNITZ . VND . AVF N(IEDER)BLAND . IAGERMAISTER . IN . STEIR . ERBDRVCHSAS . DES . ERZSTIFFTS . SALZBURG . FVR . DVR(LAUCHTIGEN) . ERZHERZOG . CARL . ZV . OSTERREICH . RAT . CAMERER . VND . DERSELBEN . FVRSTENTVM .VND . LANDE . OBRISTER . IAGERMAISTER . WELCHER . GESTORBEN . IST . DEN . XIIII . TAG . IVNY . DES . M . DC . I . IAR . SEINES . ALTERS . IM . SS . IAR . DEM . DER . ALMECHTIGE . GOTT . EIN . FRÖLICHE . AVFERSTEVNG . VERLEICHEN . WOLLE. AMEN. 1601.

An der Westseite der Außenmauer der Weizbergkirche ist noch ein Grabmal zu sehen, welches für den heimatlichen Geschichtsforscher Aquilinus Julius Cäsar, der laut einer Geschichte in der Weizbergkirche (1791) gestorben sein soll, errichtet (1845) worden ist. Die Inschrift stammt vom Vorauer Propst Kerschbaumer.


Der ganze Innenraum erhält die Wirkung eines bewegten Raumgebildes, wobei der Blick automatisch zum geistigen Zentrum, dem Hochaltar gelenkt wird.

Das Gnadenbild

Um 1415 erhielt der Lettner eine Statue der "Schmerzhaften Mutter", eine Steingußarbeit, die dem Meister von Maria Neustift zugeschrieben wird. Durch Jahrhunderte wurde sie als Gnadenbild verehrt. Es ist eine sogenannte Pietá, eine Marienklage oder auch Vesperbild genannt:

Der trauernden Mutter ruht der Erlöserleib auf dem Schoße. Beide Gestalten sind verhältnismäßig schlank gehalten, Maria sitzt ungebrochen aufrecht, der Herrenleib liegt wie schwerelos hochpostiert, Körper und Faltenbild wirken höfisch und adelig. Während an den übrigen ungefähr gleichaltrigen Vesperbildern des Landes, beispielsweise von Admont, Scheifling, Großlobming, Obdach und Pöllau das Anlitz der Dolorosa sich senkt und die Augen wehmütig trauern, ist der Blick der Weizberger Statue vertrauensvoll und getröstet nach oben gerichtet – ein Gedankengang, der religiös wohl begründet ist, in der bildenden Kunst jedoch erst später zur Darstellung gelangte. Der Künstler eilte also seiner Zeit bahnbrechend voraus. Einige Kunsthistoriker erklären sich die ungewöhnliche Darstellungsweise des Gnadenbildes auch so, daß vielleicht Veit Königer, der den barocken Hochaltar schuf und der Pietá einen lieblichen Johannes und eine ergriffene Magdalena zur Seite stellte, die Gesichtszüge der gotischen Figuren überarbeitete.

Der Chronik des Jahres 1758 ist zu entnehmen, daß das Gnadenbild seit 678 Jahren den alten Hochaltar zierte – also seit 1090. Ein Ablaßbrief des Fürstbischofs Leopold III. von Seckau, ausgestellt am 22. April 1738, berichtet über ein wundertätiges Bild der Dolorosa auf dem Berge Himmelberg über Weiz. Der alten Überlieferung zufolge wurde es vom heiligen Erzbischof Thiemo von Salzburg gemeißelt, da der Weizberg 1090 unmittelbar dem Erzbistum Salzburgunterstand.

Garzarolli datiert die Pietá um 1415 - 1420 und schreibt sie dem Meister von Maria-Neustift in der einstigen Untersteiermark zu, da sie stilistisch der "Salzburger Domwerkstatt" verhaftet sei. Dies unterstreicht auch die enge, kirchliche Beziehung Weizbergs zu Salzburg. 


Der Hochaltar

Wegen Erschöpfung der Geldmittel konnte erst 1769 mit der Innenausstattung begonnen werden. Am 31. Dezember desselben Jahres konnte ein Kontrakt mit dem "Wohledlen Kunstreichen Herrn" Veit Königer abgeschlossen werden, der besagte: "Obgesagter k.k. Bildhauer verbindet sich, den Hochaltar der Weitzbergischen Schmerzhaften Gnaden-Mutter nach dem verfertigten Model sambt dem ausständigen Tabernackel abgeredtermaßen mit aller Bildhauer, alß Dischler-Arbeith vollkommen herzustellen".

Der Hochaltar ist eine der majestätischsten Schöpfungen Königers. Der wohlgegliederteAufbau, dessen bogenförmiger Abschluß wie eine letzte Fortsetzung der Gewölbegurten wirkt, füllt nicht nur die Apsismauer bis hart an die Rundfenster, sondern schlingt sich auch über die breiten Hochfenster hinweg in die Mauerecken.

Den Mittelpunkt des Altars bildet das fast lebensgroße Gnadenbild; Rechts und links knien Johannes der Evangelist und Maria Magdalena. Etwas tiefer gesetzt und zwischen die großen Säulen eingestellt sind die Figuren von zwei Männern: Josef von Arimathäa, der den Leichnam Christi vom Kreuz nimmt und sein Felsengrab zur Verfügung stellt, und Nikodemus, welcher ebenfalls bei der Kreuzabnahme und Grablegung auftritt. Die beiden Frauengestalten mit Salbgefäßen in den Händen, die in den Fensternischen des Chores stehen, sind Maria Salome und Cleophas, die Halbschwestern Marias. Auch sie treten oft unter dem Kreuz oder bei der Grablegung auf. Eine Schar von sehr bewegten und asymmetrisch angeordneten großen Engeln und Putti begleiten und beleben die Szene. In der Mitte über allem thront Gott Vater auf einer Wolkenbank vor einem Strahlenkranz. Zu seiner linken ist der Erdball auszumachen, über ihm als krönender Abschluß der Heilige Geist in Gestalt der Taube. Der gewaltige Altar ward der Chronik zufolge im Laufe eines Jahres vollendet.

Die prunkvolle Kanzel (1775) ist eine Arbeit des Grazer Bildhauers Jakob Payer. Die Kanzel trägt die drei göttlichen Kardinaltugenden als weibliche Personifikationen: der Glaube mit dem Kreuz, die Hoffnung mit dem Anker und die Liebe mit dem flammenden Herz. Auf dem Schalldach hält Moses die zwei Gesetzestafeln mit den zehn Geboten, über ihm schwebt in einem Strahlenkranz, durchsetzt von Engelsköpfchen, ein Dreieck mit dem Hebräischen Wort für "heilig". Um Moses herum gruppieren sich die vier Kontinente Europa (jugendlicher Ritter), Amerika, Asien und Afrika.

Gegenüber der Kanzel befindet sich der Rosenkranzaltar, der von der Hand Veit Königers stammt. Maria mit dem Kind überreicht dem heiligen Dominikus links und der heiligen Katharina von Siena rechts Rosenkränze. Sehr reizvoll sind die Engelsköpfchen und die Rocaillerahmen mit den fünfzehn Rosenkranzgeheimnissen, die in einem Halbbogen um den Altar angeordnet sind. Die Köpfchen sowie die Marienstatue sind Werke des Bildhauers Neuböck und um 1930 entstanden.

Zu erwähnen sind außerdem die Darstellungen der vier Kirchenväter Ambrosius, Augustinus, Hieronymus und Papst Gregor der Große an den Wandpfeilern des mittleren Joches.  

Literatur

Rochus Kohlbach: Die Marienkirche auf dem Weizberg. Die Thomaskirche im Weizer Tabor. Weiz 1957 (= Weiz. Geschichte und Landschaft in Einzeldarstellungen 4).
Peter Krenn: Die Oststeiermark. Ihre Kunstwerke, Historische Lebens- und Siedlungsformen Bd. CI, 2. durchgesehene Aufl. Salzburg 1987. (= Österr. Kunstmonographie).
Leopold Farnleitner: Chronik. Acht Jahrhundert Weiz. In: Franz Hauser / Leopold Farnleitner: Weistum und Chronik. Acht Jahrhundert Weiz - Fünfzig Jahre Stadt. Weiz 1982, S. 54-114.
Leopold Farnleitner / Franz Hauser / Hans Ritz: Weiz. Geschichte und Geschichten. Weiz 1997.
Isabel Zinterl: Die Pfarrkirche zur Schmerzhaften Muttergottes am Weizberg. In: Ingo H. & Susanne Kropač: Weiz – Impressionen einer Stadt. Weiz 2001.