Anzengruber-Gasse

Ludwig Anzengruber, * 29.11.1839 in Wien, † 10.12.1889 in Wien, auch unter dem Pseudonym Ludwig Gruber, war ein österreichischer Dramatiker und Erzähler.

Als sein Vater 1844 starb, war Ludwig erst fünf Jahre alt. Seine Mutter schaffte es mit ihrer spärlichen Witwenpension von 166 Gulden und 40 Kreuzern den Sohn auf die Volksschule der Paulaner (1847-1850) und die Unterrealschule der Piaristen (1851-1853) zu schicken. 1856 nahm er eine Praktikantenstelle in der Buchhandlung Sallmeyer an, wo er sein gewaltiges Lesebedürfnis stillen konnte.

Nach einer schweren Typhuserkrankung beschloss Ludwig Anzengruber mit 19 Jahren Schauspieler zu werden. In den nächsten zehn Jahren versuchte sich Anzengruber als Berufsschauspieler, zog mit verschiedenen Wandertruppen durch die Provinzen der Monarchie, hatte Engagements bei etlichen Schmierenbühnen als Statist und Aushilfsschauspieler, doch nie einen zündenden Erfolg. Hinderlich dabei war sein Dialekt, den er nie ganz ablegen konnte. Ab 1866 lebte er wieder in Wien. Während dieser Zeit entstanden mehrere Dramen und einige kleinere Erzählungen, die ihm jedoch keinen Erfolg brachten.

1869 fand er den Weg zurück ins bürgerliche Leben, indem er einen Schreiberposten (vermutlich aus Geldnot) in der k. u. k. Polizeidirektion Wien annahm. Unter dem Pseudonym "L. Gruber" gelang ihm 1870 der Durchbruch mit dem Stück Der Pfarrer von Kirchfeld, das am Theater an der Wien uraufgeführt wurde. Die Premiere am 5. November war ein großer Erfolg. Heinrich Laube, der Leiter des Burgtheaters, schrieb eine enthusiastische Kritik. Jener Umstand brachte ihm auch eine Freundschaft mit Peter Rosegger ein. Der über Nacht erfolgreich gewordene Autor gibt als "Polizeyoffizial 4. Classe" die Beamtenlaufbahn wieder auf. Dieser Schritt ersparte ihm den Konflikt zwischen Tendenzdichter und pflichtgetreuem Beamten.

Die folgenden Jahre waren sehr erfolgreich für Anzengruber. In ganz Europa wurden seine Stücke aufgeführt. Von April 1882 bis Mai 1885 leitete Anzengruber die Redaktion des Wiener Familienblattes Die Heimat, ab Mai 1884 war er Redakteur des Figaro und ab August 1888 übernahm er die Redaktion des Wiener Boten.

Im September 1888 erhielt er eine feste Anstellung als Dramaturg für das deutsche Volkstheater an der Wien, das am 14. September 1889 mit Anzengrubers Der Fleck auf der Ehr eröffnet wurde.

Ende November 1889 erkrankte der erst 60-jährige Dramatiker an Anthrax (Milzbrand), und kaum vierzehn Tage später starb er an den Folgen einer Blutvergiftung, welche durch das Aufbrechen eines Furunkels verursacht wurde.

Die Anzengruber-Gasse erhielt 1945 ihren Namen.