Schloss Radmannsdorf

Schloss (Unter-)Radmannsdorf wurde zwischen 1555 und 1565 von Otto von Radmannsdorf erbaut, nachdem die alte Burg Oberradmannsdorf baufällig geworden war. Es gilt als eines der frühesten Renaissance-Schlösser in der Steiermark.

Von 1623 bis 1773 kam die Anlage in den Besitz der Jesuiten, nachdem die männliche Linie des Geschlechts der Radmannsdorfer ausgestorben war.

Im Jahre 1782 erwarb Graf Khevenhüller-Metsch von Thannhausen das Schloss. Zwischen 1842 und 1858 war schließlich eine Kadettenschule im Gebäude untergebracht. 1859 kam Schloss Radmannsdorf in den Besitz der Stadt Weiz und ist heute Sitz des Bezirksgerichts.

Otto von Radmannsdorf ließ zwischen 1555 und 1565 ein neues Schloss im Dorf Radmannsdorf, jenseits des Weizbaches, der damals Markgrenze war, bauen, nachdem die Burg Ober-Radmannsdorf bzw. "Alt-Radmannsdorf", baufällig geworden oder gar einem Brand zum Opfer gefallen war.

Das Geschlecht der Radmannsdorfer

Wenn auch Hartwig der Rote im Jahre 1147 bereits als Burggraf von Weiz genant ist, so war es doch ein anderer Ritter, der unter den Gefolgsleuten Luitolds von St. Dionysen-Waldstein, nachmals von Gutenberg, die erste Stelle beanspruchen durfte, der miles Ratkiso.

Dieser Ritter Ratkiso muß als der maßgebende Mann der ersten Kolonisationszeit auf dem Weizer Boden angesprochen werden, denn der Grundherr Luitold hielt sich ja auf seinen älteren Herrschaften auf, nach denen er sich auch zu nennen pflegte. Ratkiso war der einzige Ritter der Dionysier, der in der Donationsurkunde von 1152 ausdrücklich als solcher genannt ist. Mit seinem Namen sind auch die ältesten Gründungen neben der Herrschaftsburg Wides in Verbindung zu bringen: das Dorf mit 10 Huben und die Burg Radmannsdorf mit allem Zubehör.

Da im Namen des Dorfes Radmannsdorf die Namenskurzform des Ritters Ratkiso, Rato, steckt (1187 villa Ratensdorf = Dorf des Rato oder Ratkiso, die Namensform Radmannsdorf kommt zum erstmals 1344 vor) ist er wohl eindeutig als Gründer desselben ausgewiesen.

Die Burg Altradmannsdorf kam 1187 als Ausstattung der Tochter Luitolds III. von Gutenberg an das Reichsstift Göß und wurde damit Gösser Lehen. 1423 belehnte die Äbtissin Otto von Radmannsdorf mit der Burg. Er wurde zum Begründer der Linie Radmannsdorf-Sturmberg. Seine Grabplatte aus rotem Marmor ist in der Weizbergkirche eingemauert.

In der Vorhalle der Kirche auf dem Weizberg und in deren linker Turmkapelle sind einige vorzügliche Grabsteine vom alten Gotteshaus hervorzuheben: Das um 1430 geschaffene Rotmarmor-Epitaph für Otto III. von Radmannsdorf mit einer seltenen Darstellung des Christus in der Kelter. Die Grabplatte zeigt das Wappen derRadmannsdorfer – 3 Hufeisen im Querbalken – und das von Sturmberg, die den Krebs als Wappentier führten.

Nachdem das Geschlecht der Radmannsdorfer im Laufe der Zeit zu immer mehr Ansehen und Besitz kam, war die Familie im 16. Jahrhundert sowohl im Kriegsrat als auch im steirischen Landtag vertreten.

Otto VI. von Radmannsdorf ließ in den Jahren 1555 bis 1565 das neue Schloss Unterradmannsdorf in Weiz erbauen. Am 30. Mai 1575 erlag Otto VI. einem Schlaganfall. In der Gruft der Radmannsdorfer, die in der alten Kirche auf dem Weizberg lag, fand er seine letzte Ruhestätte. 35 Jahre später erlosch mit dem Ableben Christophs II. das Geschlecht der Radmannsdorfer im Mannesstamm.
Nach Erbstreitigkeiten fiel der Besitz 1623 an das Jesuitenkolleg in Leoben, bei dem er bis zur Auflösung des Ordens 1773 verblieb. Die Herrschaft wurde vom Staat eingezogen.

Alt-Radmannsdorf

Der Ritter Ratkiso, erster Gefolgsmann des Hochfreien Liutold III. von Gutenberg, leitete vermutlich das große Rodungswerk auf Weizer Boden. Sein Wirken erkennen wir zunächst in der Gründung des 1187 urkundlich erwähnten Dorfes, das uns im Namen Radmannsdorf auch in der Gegenwart geläufig ist und damals villa Ratenstorff genannt wurde. Es bestand aus zehn Huben in einer Zeile am linken, also ostwärtigen Ufer des Weizbaches. Die dazugehörige Gewannflur erstreckte sich bis an den Fuß des Weizberges.

Der Name Radmannsdorf ist ein ausgesprochener Dorfname, der sich ursprünglich nur auf das am linken Ufer des Weizbaches gelegene Dorf Radmannsdorf bezogen haben dürfte. Erst nachträglich wurde er auf die Burg am anderen Ufer des Weizbaches übertragen.

Diese Burg Radmannsdorf (später Alt-Radmannsdorf oder Ober-Radmannsdorf genannt) am rechten Ufer des Weizbaches, nicht weit vom sogenannten Radmannsdorfer Bach, ist durch die Nennung des Ritters Walchun von Radmannsdorf, offenbar eines Nachkommen Ratkisos, um 1220 und 1237 zum erstenmal urkundlich nachzuweisen. Sie hat dem Geschlecht der Radmannsdorfer bis zum Bau von Neu-Radmannsdorf als Domizil gedient. Als Christoph von Radmannsdorf und sein Bruder Otto im Jahre 1583 zu Sturmberg die ererbten Güter teilten (die vereinigten Herrschaften Radmannsdorf und Sturmberg), erhielt jeder einen halben Teil des öden Gemäuers und Burgstalls zu Ober-Radmannsdorf. Die Feste war also damals bereits dem Verfall preisgegeben. Später wurde sie besonders von der Weizer Bürgerschaft als Steinbruch benutzt, bis sie soweit abgetragen war, daß kaum noch die Grundmauern erkennbar waren.

Dozent Dr. Werner Knapp hat im Jahre 1956 durch Grabungen und Vermessungen den Bestand der Burg erarbeiten können. Bis ins 16. Jahrhundert war sie bewohnt. Die quadratische Anlage, in deren Mitte sich der Bergfried erhob, war von einem Wohn- und drei Wirtschaftsgebäuden umgeben. An den Ecken standen Wehrtürme. Zur Burg gehörte darüber hinaus ein Meierhof – der nachmalige Leopoldshof – und eine Mühle, die viel später das Klingen- und Sichelpolierhaus des Werkes Mosdorfer geworden ist.

Das Schloss Unterradmannsdorf

Den Hof, auf dem die Radmannsdorfer das heutige Schloss "Unterradmannsdorf" errichteten, hatten sie schon vor 1531 erworben. In den Folgejahren kamen noch zwei weitere Höfe hinzu, woraufhin zwischen 1555 und 1565 Schloss Unterradmannsdorf und ein Meierhof von Otto von Radmannsdorf errichtet worden sind. Nach einer Beschreibung von 1583 umfaßte der Komplex neben dem eingemauerten Meierhof Roß-, Ochsen- und Kuhställe samt einer gezimmerten Wagenhütte, ferner das gemauerte Haus im Garten mit Stube und Kammer, den Keller, den Baum- und Wurzgarten, "so mit einer Ringmauer und 4 Türmen umfangen".


Otto VI. von Radmannsdorf
baute darüber hinaus eine neue Mühle; ferner gehörten zum neuen Schloss der große gemauerte Landschakeller mit Stube, Kammer, Vorhaus und der gezimmerten großen Presse, ferner eine Badestube neben dem Schloss beim Weizbach, eine gemauerte Schmiede mit gezimmerter Wagenhütte daneben, eine Fleischbank, ebenfalls gegenüber des Schlosses neben dem Weizbach, einige Keller und ein Ziegelstadl bei Weiz. Kaum 100 Jahre später aber, ab 1659, wurde infolge der sich anbahnenden Auflösung der Gutsbetriebe Stück für Stück der Meierschaft abverkauft.

Seit 1623 besaß die Herrschaft die Niedere Gerichtsbarkeit innerhalb des Weizer Burgfrieds, die sich jedoch nur über den Eigenbesitz von Radmannsdorf erstreckte. Ein Miniaturarm mit Schwertgriff als Zeichen der Freiung erinnerte am Tor zum Wohntrakt bis zu dessen Abbruch an dieses Recht.

Nach Erbstreitigkeiten ging der Besitz 1623 an das Jesuitenkolleg in Leoben, bei dem er bis zur Auflösung des Ordens im Jahre 1773 verblieb. Die Herrschaft wurde vom Staat eingezogen.

Am 17. März 1782 erwarb Johann Franz Graf Khevenhüller-Metsch auf Thannhausen das Schloss. Zwischen 1841 und 1858 war Radmannsdorf Kadettenschule des Infanterieregiments Nr. 27. Im Jahre 1859 wurde der nördliche Schlosstrakt vom Staat, der südliche Wohnbau von der Gemeinde Weiz erworben. Ämter (Bezirkshauptmannschaft und Bezirksgericht, Steueramt, Eichamt und Bezirksschulrat) und bis 1911 die Markt- und spätere Volksschule waren nur in den Gebäuden untergebracht.

Umbauten haben den ursprünglichen ansehnlichen Baubestand der Gesamtanlage völlig verändert: Von den einst vier Ecktürmen des Schlossareals stehen nur noch der Nord- und der Ostturm. Die zahlreichen Nebengebäude wurden im Laufe der Jahrhunderte geschliffen und der erst im 19. Jahrhundert angebaute Südtrakt wurde 1972 zu Gunsten eines Parkplatzes abgetragen.

Kunstgeschichte

Die Anlage besteht aus einem dreigeschossigen rechteckigen Hauptbau mit zwei übereckgestellten Erkertürmen. Ein quadratischer Eingangsturm ist der Vorderfront vorgesetzt, an dessen NW-Ecke ein Flankenturm anschließt, der im Verband der ehemaligen Umfassungsmauer stand. An der Rückseite wurde im 1. Viertel des 17. Jahrhunderts ein rechtwinkelig abgesetzter zweigeschossiger Anbau zugefügt, der einen kleinen Arkadenhof umSchloss.

Kunstreich verzierte Türportale sowie zwei- und dreiachsigen Rennaissance-Fenster aus der dell´Allio-Schule verraten hier wirkende Comasken (italienische Steinmetze).

Ein steinerner Kamin aus dem Schloss ist heute im Grazer Landhaus eingebaut, und die Einrichtung des Rittersaales mit einer prachtvollen Kassettendecke, der Wandtäfelung mit Intarsien und den gekoppelten Fenstern bildet den "Weizersaal" im Joanneum.

Nördlich des Schlosses, an den Ecken der ehemaligen Mauereinfriedung
 stehen noch heute ein quadratischer und ein oktogonalerWehrturm – der sogenannte "Rote Turm" – des späten 16. Jahrhunderts, ersterer mit Getreideschüttboden.
Das Turmzimmer des "Roten Turms" ist mit sehr schön erhaltenen Renaissance-Deckenfresken geschmückt, die der Jagdgöttin Diana gewidmet sind. Entlang der Wand findet man zahlreiche Familien- und Zunft-wappen. Beide Türme bilden die Umrahmung für einen großen Garten, der sich hinter dem Schloss befand und heute als Park genutzt wird.

Literatur

Leopold Farnleitner / Franz Hauser / Hans Ritz: Weiz. Geschichte und Geschichten. Weiz 1997.
Fritz Posch: Die Besiedelung des Weizer Bodens. Weiz 1956. (= Weiz – Geschichte und Landschaft in Einzeldarstellungen 2).
Peter Krenn: Die Oststeiermark. Ihre Kunstwerke, Historische Lebens- und Siedlungsformen Bd. XI. 2. durchgesehene Aufl. Salzburg 1987. (= Österreichische Kunstmonographie).
Fremdenführer für Weiz und Umgebung, hrsg. vom Marktverschönerungs- und Fremdenverkehrsverein Weiz. Ausgabe Mai Weiz 1931.