Mosdorfer, Moriz

Moriz Mosdorfer (* 15. 8.1881, † 20.4.1932), geschäftsführender Bürgermeister 1916 - 1919, Bürgermeister des Marktes Weiz 3.1.1919 - 30.9.1928, davon gemeinsam mit Franz Bruckner Juli 1919 - 28.4.1922.

Moriz Mosdorfer, Sohn von Josef Mosdorfer, war wie sein Vater Josef und sein Onkel Franz in der Gemeindepolitik tätig. Im Jahr 1908 wurde er in den Gemeinderat gewählt; Als Bürgermeister Johann Schlacher aufgrund seiner stark angegriffenen Gesundheit 1916 vom Amt beurlaubt wurde, hat man Moriz Mosdorfer als geschäftsführenden Bürgermeister angelobt. Am 19. Dezember 1918 beantragte Bürgermeister Moriz Mosdorfer, daß im Verhältnis der letzten Volkszählung (1910: 2953 Einwohner) acht Arbeitervertreter in den Gemeindeausschuss aufzunehmen seien, und zwar drei vom Werke der Gesellschaft für elektrische Industrie, zwei Eisenbahner, ein Schriftsetzer und zwei Arbeiter anderer Betriebe.  

In der Sitzung am 3. Jänner 1919 führte Bürgermeister Johann Schlacher den Vorsitz; er benutzte die Gelegenheit für seine Abschiedsrede. Moriz Mosdorfer dankte dem Scheidenden für seine vieljährigen Dienste zum Wohle der Gemeinde. Noch in derselben Sitzung wurde Moriz Mosdorfer einstimmig zum Bürgermeister gewählt.

Der noch im selben Jahr aufgrund allgemeiner Wahlen neu gebildete Gemeinderat brachte in der Parteienzusammensetzung eine Gleichziehung 9:9. Dies hatte in der Wahl des Vorstandes ein in der Geschichte der Gemeindeverwaltungen gewiß einmaliges, wohl nur unter den hier gegebenen gesellschaftlichen und persönlichen Verhältnissen denk- und ausführbares Ergebnis: zwei gleichzeitig und gleichberechtigt amtierende Bürgermeister: Moriz Mosdorfer als Vertreter der in der Wirtschaftsliste vereinten bürgerlichen Parteien und Franz Bruckner als Vertreter der Sozialdemokraten. Bürgermeisterstellvertreter waren Siegfried Esterl und Josef Pregetter.

Am 10. Feber 1922 gab Bürgermeister Franz Bruckner die Erklärung ab, dass die sozialdemokratischen Gemeindevertreter ihre Mandate zurücklegen, um durch eine Neuwahl der Bevölkerung Gelegenheit zur Schaffung klarer Verhältnisse zu geben. Bürgermeister Moriz Mosdorfer meinte, dass trotz Kompromissen Leistungen vollbracht worden und das Verhältnis kein schlechtes sei. Zwei Bürgermeister mit gleichen Rechten seien allerdings eine Besonderheit.

Die Wahlen brachten eine Änderung. Bei der Bürgermeister- und Vorstandswahl in der Sitzung vom 28. April 1922 wurden im vierten Wahlgang Moriz Mosdorferals Bürgermeister, Josef Pregetter als erster, Franz Bruckner als zweiter Stellvertreter und Siegfried Esterl als Vorstandsmitglied gewählt.

Im Mai 1928 wählt der Gemeinderat Moriz Mosdorfer noch einmal zum Bürgermeister, aber bereits wenige Monate später, am 30. September, legte dieser sein Amt zurück. Nach seinem Rückzug aus dem politischen Leben erhielt Moriz Mosdorfer den Ehrentitel Altbürgermiester verliehen. Seit 1897 war er bei der Freiwilligen Feuerwehr Weiz tätig; 1904 wurde er Brandmeister, und 1930 wurde er zum Bezirksobmann gewählt. Moriz Mosdorfer litt an Zuckerkrankheit und verstarb bereits im Alter von 51 Jahren.

1915, nach dem Tod seines Vaters, übernahm Moriz Mosdorfer den Betrieb und führte den Namen J. Mosdorfer; Sichelfabrik und Zeughammerwerk Weiz weiter.

Literaturhinweise:

Waltraud Froihofer: KNILL. Chronik einer erfolgreichen Firmengruppe. Weiz 2001.
Leopold Farnleitner, Franz Hauser: Acht Jahrhundert Weiz - Fünfzig Jahre Stadt. Weistum und Chronik. Weiz 1982.