Hueber-Weg

Joseph Hueber, * 1715 od. 1717 vermutlich in Wien, † 26.9.1787, bedeutender österreichischer Barockbaumeister, Erbauer der Marienkirche auf dem Weizberg.

Hueber erlernte den Beruf seines Vaters Sebastian und wurde Baupolier. Zwischen 1731 und 1735 dürfte er auf Wanderschaft durch "Reich, Sachsen und Böhmen" gewesen sein. Zurück in Wien, scheint er sich zunächst im Festungsbau verdingt zu haben. 1739 bewirbt sich Hueber nach Graz. Der Grazer Baumeister Josef Carlon war aufgrund seines hohen Alters den ihm gestellten Aufgaben nicht mehr gewachsen und ohne Nachfolger, so dass er den jungen Polier Hueber gerne aufnahm. Nach Carlons baldigem Tod war Hueber bestebt, so schnell als möglich die Meisterschaft und die Aufnahme in die Zunft zu erlangen, was ihm am 23.2.1740 gelang. Um ebenso schnell an die Profession seines Meisters zu gelangen, heiratete er - wie im Barock nicht ungewöhnlich - kurzerhand die Witwe Carlon.

Zunächst damit beschäftigt, die noch unvollendeten Projekte Josef Carlons zu vollenden, erhielt Hueber bereits 1741 den ersten großen Auftrag: die Errichtung einer Kapelle in einem Seitenschiff der Grazer Stadtpfarrkirche. Bereits im folgenden Jahr begann er mit dem Bau einer doppeltürmigen Fassade der Grazer Mariahilferkirche. Hueber hinkt jedoch dem Zeitgeist hinterher, ist noch im hochbarocken Fassadenschema verhaftet.

Zwischen 1744 und 1745 erbaut Hueber die Klosterkirche der ehemaligen P. Piaristen in Gleisdorf. Gegen Ende des Jahrzehnts folgte der Neubau der Kirche St. Veit am Vogau. Hier gelingt ihm bereist die im Spätbarock charakteristische Verschmelzung von Langhaus- und Zentralbau.

Als sein größter Rivale Georg Stengg 1753 starb, war sein noch sehr junger Sohn mit der Übernahme einiger bedeutender Projekte - Umbau des fürstlichen Schlosses Eggenberg in Graz, des Stadtpalais uvm. - überfordert. So griff der Bauherr auf Hueber zurück, der dies als große Chance sah.

Marienkirche am WeizbergIn das Jahr 1755 fällt der Baubeginn des vollendetsten Werkes Huebers, der Marienkirche auf dem Weizberg. Die spätbarocke Raumgestaltung - die Verschmelzung von Lang- und Zentralbau - gelang Hueber hier in fortschrittlichster und genialster Form im gesamten süddeutsch-österreichischen Raum. Im November 1758, nach nur zwei Jahren Bauzeit, war die neue Kirche vollendet. Nach Abschluß der Innenausstattung konnte die neue Weizbergkirche im Jahre 1776 feierlich geweiht werden. Die Wallfahrtskirche am Weizberg wird als Huebers Hauptwerk angesehen.

Reiche Bautätigkeit erfüllte auch das folgende Jahrzehnt, das seine Krönung in der Errichtung des Grazer Schauspielhauses 1774 - 1776 fand.

Die Hueber-Gasse erhielt 1956 ihren Namen.

Literatur:

Walter Koschatzky, Der Barockbaumeister Joseph Hueber. In: Bilder aus Vergangenheit und Gegenwart. Beiträge zur Kultur- und Wirtschaftsgeschichte. (Weiz - Geschichte und Landschaft in Einzeldarstellungen. Hrsg. v. Leopold Farnleitner. 5), Weiz 1958, S. 40 - 44.