Hiebler, Bartholomäus

Bartholomäus Hiebler (* 24.8.1850, † 4.2.1923), Volksdichter

Das Haus am Hauptplatz 21 in Weiz wurde in der ersten Hälfte des 17. Jahrhundert erbaut. Bis 1961 beherbergte es neben Wohnräumen eine Hafnerei sowie eine kleine Landwirtschaft. Für das Jahr 1829 ist erstmals namentlich ein Hafnermeister Johann Höfler als Besitzer überliefert, der Ziehvater des bekanntesten Weizer Heimatdichters Bartholomäus Hiebler. 

Am 24. August des Jahres 1850 wurde Bartholomäus Hiebler als jüngster Sohn der Eheleute Therese und Johann Hiebler geboren. Da seine Mutter noch im Wochenbett verstarb, kam das Kind in das Haus seines Onkels, des bürgerlichen Hafnermeisters Höfler. Nach Besuch der zwei-klassigen Volksschule am Tabor musste Bartholomäus auf Wunsch seiner Zieheltern und entgegen der Empfehlung seiner Lehrer das Hafnerhandwerk erlernen. Nebenbei begann der der Junge schon früh, Geschichten und Gedichte zu verfassen, aber erst 1874 wurde Peter Rosegger auf den jungen Naturdichter aufmerksam und nahm sich seiner an. Erste Veröffentlichungen seiner Werke bestärkten Bartholomäus Hiebler, das ungeliebte Hafnerhandwerk aufzugeben. Zunächst verdiente Hiebler seinen Lebensunterhalt als Offiziant bei der Bezirkshauptmannschaft, später als Vorsteher des Eichamtes in Weiz.

Bartholomäus Hiebler war, wie er selbst in seiner Lebensgeschichte es bezeugte, das Schreiben eine Naturnotwendigkeit, die ihm alle anderen Freuden ersetzte. Meist allein, wanderte er gerne sinnend und betrachtend durch Wald und Flur. Zeit seines Lebens war er ein aufrichtiger Verehrer Peter Roseggers, der ihn selbst in Weiz besuchte wie auch er wiederholt bei Rosegger zu Gast war. Der Weizer Heimatdichter starb am 4. Februar 1923.

VORBEI SIND DIE TAGE DES WINTERS

Vorbei sind die Tage
des Winters, die Klage
verwandelt sich wieder in Laune und Scherz,
allmächtige Sonne,
du Urquell der Wonne,
ach, nur einen Strahl in dies finstere Herz.

Auf keimenden Matten,
lau atmende Schatten
bunt blühender Bäume ziehen sich hin.
Entfesselte Quellen, nun rollen die Wellen
gleich flüssigem Silber durchs sprossende Grün.

Die Lüfte durchschweben
die Vöglein und weben
Erheiternder Lieder melodischen Klang.
Weit hin durch die Auen
der friedlichen Gauen
ertönt so freudig ihr Jubelgesang.

Erneuernden Lebens
voll regesten Strebens,
nun rauschts durch den Wald und strömts durch
die Flur.
Da ruh ich im Moose
im Frühlingsgekose,
so nah deinem Herzen, du schöne Natur.
Was soll all das Rauschen
des Waldes, das Lauschen
des Tales? Es wecket die Lust mir, den Schmerz.
Ach, wiegten die Klänge
wie Ruhegesänge
in ewigem Frieden dies sehende Herz.
                                            (1876)

Literaturhinweis:
Leopold Farnleitner, Bartholomäus Hiebler. Im Spiegel von Briefen Peter Roseggers. In: Handel, Wandel Lied und Wort. Beiträge zur Volkskunde, Wirtschafts- und Kulturgeschichte. (Weiz – Geschichte und Landschaft in Einzeldarstellungen. Hrsg. v. Leopold Farnleitner. 8/II), Weiz 1969.