Hammerwerk Mosdorfer

Hammerwerk MosdorferIm Jahre 1712 kam das Hammerwerk, das sich ursprünglich im Besitz der Krottendorfer befand, durch Heirat in den Besitz der bayrischen Familie Mosdorfer. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erfolgte unter Balthasar Mosdorfer ein sensationeller Aufstieg des Werkes.

1929 heiratet Dipl. Ing. Friedrich Knill, in der Elektroindustrie tätig, eine Tochter des Moritz Mosdorfer.

Das Werk bestand in den schweren Kriegs- und Nachkriegsjahren weiter unter dem Namen Mosdorfer-Knill. Die Notwendigkeit einer Umstellung des Betriebes auf andere Erzeugnisse zeichnete sich jedoch immer deutlicher ab. Man spezialisierte sich schließlich auf den Bau von Freileitungsarmaturen. 1956 wurde die Einzelfirma in eine Kommandit-gesellschaft umgewandelt und Dipl. Ing. Knill ihr Komplementär. 

files/stadt-weiz/Weizlexikon/hammer1.jpgGeschichte

Die Wurzeln des Werkes Mosdorfer lassen sich bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen. Damals ließ sich das eisenverarbeitende Gewerbe am Weizbach nieder und errichtete dort die ersten Hämmer. Bereits kurz nach der Gründung des Marktes Weiz gewannen auch Mühlen immer mehr an Bedeutung und ließen ein erstes Handwerkszentrum entstehen. Schon 1425 wurde "in der Erlach" neben der Hofmühle ein Eisenhammer mit Wasserradantrieb betrieben. Die damaligen Besitzer aus dem Geschlecht der Krottendorfer waren während der Türkenbedrohung aus dem Osten im ganzen Land berühmt für ihre Erzeugnisse.

Die Krottendorfer

Die Tatsache, daß der Weizbach im Winter nicht zufriert und der Waldreichtum, der eine gute Versorgung mit Holzkohle garantierte, waren gute Voraussetzungen dafür, daß hier schon für das Mittelalter ein Eisenhammer mit Wasserantrieb nachzuweisen ist.

Dieser alte Eisenhammer war das erste Gebäude, das später von den Mosdorfern zur Klingenfabrik ausgebaut wurde. Das Gebäude dürfte auf die Radmannsdorfer Herrschaftsmühle zurückgehen, die bereits 1425 genannt wurde und die älteste auf Weizer Boden ist. Im Jahre 1435 besaß ein gewisser Leonhard am Hammer die zugehörige Hube und eine weitere in Krottendorf. Er war der Begründer des Hammerherrengeschlechtes der Krottendorfer.

Ende des 16. Jahrhunderts brachte die steigende Türkenbedrohung an der windisch-kroatischen Grenze den Krottendorfern zahlreiche Aufträge ein. Für die Ausrüstung des Landesaufgebotes wurden zahlreiche Dusäggen (= Blankwaffe) und ungarische Säbelklingen hergestellt. Christoph Krottendorfer wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts als Lieferant der berühmten Grazer Bihänder im Zeughaus genannt. Die damalige Produktion muß so beachtlich und qualitativ hochwertig gewesen sein, daß sogar Bethlen Gabor, ein Vasall der vordringenden Türken, seine Ausrüstung bei dem Weizer in Auftrag gab. Die Habsburger reagierten daraufhin mit einem Waffenausfuhrverbot.

Auch im zweiten Türkenkrieg (1683 – 1791) war Thoman Lehr, der in die Familie Krottendorfer eingeheiratet hatte, Hauptlieferant von Säbelklingen. Nach 300 Jahren gab es keine männlichen Nachkommen mehr. Josef Mosdorfer, ein Klingenschmiedgeselle im Hammerwerk, ehelichte die Witwe des 1711 verstorbenen Thoman Lehr, Anna Maria. Seit dem Jahre 1712 firmiert das Hammerwerk unter dem Namen Mosdorfer.

In den Folgejahren erhielt die Firma große Klingenaufträge durch die kaiserliche Armee. 1773 erwarb Anton Mosdorfer eine "in der Erlach" gelegene Rohrschmiede, die die Produktion von Handfeuerwaffen, später auch Gewehrläufen, Ladestöcken und Bajonetten ermöglichte. Da die Produktion nie eine besondere Größe erreicht haben dürfte und keinen sicheren Erwerb versprach, bewarb sich Anton Mosdorfer um die Errichtung einer Sensenschmiede und eines Zerrennfeuers, das zur Eisengewinnung aus Vordernberger Flossen diente. 1784 erhielt er die "Conzessionen" dazu.

Nach der wirtschaftlichen Erschütterung durch die Franzosenkriege, als die Industrie unter der anhaltenden Geldentwertung litt, trat die Klingenerzeugung immer mehr in den Hintergrund gegenüber der rasch anwachsenden Sichelfabrikation – 1814 wurde sie endlich ganz aufgegeben.

In dieser Zeit erstand mit Balthasar Mosdorfer, dem späteren Bürgermeister von Weiz, dem Werk zur rechten Zeit der rechte Mann.

Balthasar Mosdorfer (1810 – 1876)

Unter Balhasar Mosdorfer erfuhr das Werk einen sensationellen Aufschwung. Im Jahre 1834 übernahm er den Weizer Besitz, bestehend aus Zerren- und Sensenhammerwerk mitsamt Klingen- und Rohrschmiede. Der Bau des heutigen Herrenhauses bezeugt den wirtschaftlichen Aufschwung, den das Werk zur Zeit Balthasar Mosdorfers erfuhr. Unter seiner Leitung gelang es, die Erzeugung um das Siebenfache zu erhöhen.

Im Jahre 1847 war das bestehende Werk den steigenden Anforderungen nicht mehr gewachsen und so entschloß man sich zum Bau eines neuen Werkgebäudes, des Mühlsichelhammers. Nicht nur dadurch konnte die Leistungfähigkeit des Werkes auf eine Produktion von 200.000 Sicheln jährlich gesteigert werden, sondern auch durch die Erfindung des Bessemerverfahrens (1856, Harry Bessemer): Bis dahin zwangen Verunreinigungen des Roheisens und der hohe Stahlpreis dazu, daß der Schmied durch das "Gerben" des Stahls das Ausgangsmaterial für seine Erzeugnisse selber herstellen mußte. Der Stahl mußte ausschmiedet werden, damit Risse und Einschlüsse entdeckt werden konnten; danach wurde der Stahl übereinanderlegt und anschließend verschweißt.

Mittels des neuentwickelten Bessemerverfahrens, durch das der Kohlenstoffgehalt des Roheisens so weit reduziert werden konnte, daß das Eisen ohne Vorbehandlung schmiedbar wurde,konnte Stahl wesentlich einfacher hergestellt werden. Dazu wurde Eisen in ein mit kieselsäurehaltigen feuerfesten Steinen ausgekleidetes Gefäß gefüllt. Nach dem Aufrichten des Gefäßes wurde Luft durch das Roheisen geblasen. Dadurch fand eine schnelle Verbrennung des Kohlenstoffes statt. Das Bessemerverfahren brachte eine Verbesserung und Verbilligung der Stahlproduktion.

Balthasar Mosdorfer wagte es nun, Sicheln in "Massenproduktion" zu schmieden, und steigerte schließlich die Produktion auf 350.000 Stück pro Jahr. 

Kriegsjahre

1890 wurde der Besitz unter den Söhnen Balthasar Mosdorfers, Franz und Josef, aufgeteilt: Franz erhielt das Grob- und Zeughammerwerk, verstarb jedoch früh, sodaß beide Werke zu Beginn des 20. Jahrhunderts in fremde Hand kamen. Die Sichelfabrik blieb in Familienbesitz und wurde von Josef Mosdorfer (1842 – 1915) weitergeführt.

Der Erste Weltkrieg brachte einen Mangel an Arbeitskräften, Schwierigkeiten bei der Rohstoffbeschaffung und eine Einengung der Absatzgebiete.

Auch die anschließende schwere Zwischenkriegszeit konnte das Werk unbeschadet überstehen. Unter Moritz Mosdorfer (1881 – 1932) wurde der Absatzmarkt sogar bis nach Nord- und Südamerika ausgeweitet.

1929 heiratete die zweite Tochter Moritz Mosdorfers Dipl. Ing. Friedrich Knill, der somit Geschäftsführer der Mosdorfer GmbH. wurde.

Die politischen Veränderungen 1938 ließen Exportlieferungen immer weniger zu, dafür vergrößerte sich der inländische Absatzmarkt durch Wehrmachtsaufträge. Der ständige Arbeitskräftemangel durch Einberufungen konnte mit dem Einsatz von Kriegsgefangenen kompensiert werden. Die Sichelerzeugung ergänzte man durch die Produktion von Äxten, die durch die Anschaffung einer 350-Tonnenpresee erheblich gesteigert werden konnte. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu einem kurzen wirtschaftlichen Aufschwung. Aber schon bald ging der Inlandsbedarf an Äxten zurück: die Mechanisierung der Landwirtschaft und der Aufbau eigener Fabriken in den bisher interessanten Absatzgebieten, verschlimmerten die Situation. 1948 wurde das Hammerwerk geschlossen.

Mit der Produktion von Besteck und landwirtschaftlichen Geräten konnten keine nennenswerten Erfolge erzielt werden. 1953 wurde die Sichelerzeugung endgültig eingestellt. 

Neuer Aufschwung

Eine entscheidende Neuerung erfolgte 1949 mit dem Bau der 220-kV-Leitung Kaprun-Ernsthofen. Mit der Herstellung der Armaturen bekam die Firma nach langen schweren Zeiten ihren ersten großen Auftrag. Es war ein kühnes Unterfangen, sich um diesen Auftrag zu bewerben, da er für die damaligen Betriebsverhältnisse sehr groß war und man nicht über die geeigneten Produktionsstätten verfügte. Obwohl das Werk weder über spezielle Einrichtungen noch über das Fachwissen im Freileitungsbau verfügte, konnte der Auftrag termingerecht erfüllt werden. Die Anschaffung geeigneter Maschinen, wie Öfen, eine Gewindeschneidmaschine etc. war die Voraussetzung für den Beginn des neuen Erzeugungsprogrammes.

 

Die Zeit war für eine Umstellung nicht ungünstig, denn der Preis spielte in der Nachkriegszeit keine Rolle und es bekam derjenige den Auftrag, der rasch liefern konnte. Damit war ein Anfang gemacht, der dem Betrieb eine neue, erfolgreiche Richtung gab.

Die Gegenwart

Die steigende Produktion und Neuerungen in der Technik machten eine Erweiterung der Firma nötig.

1964 wird mit dem Bau der ersten Halle eines 4-Hallenprojektes begonnen. Heute umfassen die Geschäftsfelder der Firma die Bereiche Elektrotechnik, Kabel- und Verseiltechnik und Bäckereitechnik. Das Sortiment umfaßt neben Armaturen, Schaltanlagenklemmen und Kabelverteilerschränken auch Backöfen und Semmelanlagen sowie Kabelverseil- und Isoliermaschinen.

In 8 Betriebsstätten in Österreich und 4 Werken im Ausland werden jährlich 1,319 Mio öS umgesetzt und 730 Menschen beschäftigt. Erst 1997 wurde die Rosendhal Maschinen GmbH übernommen. Dieser Erwerb bedeutet zusätzliche High-Tech Produkte und eine Steigerung des Umsatzes.

Literatur

Friedrich Knill, Geschichte des Werkes Mosdorfer. Ein Beitrag zur Wirtschaftsgeschichte. Fünfhundertundfünfzig Jahre Schritthalten mit dem Wandel der Zeit. (= Weiz – Geschichte und Landschaft in Einzeldarstellungen 10/A). Weiz 1977.
Waltraud Froihofer, KNILL. Chronik einer erfolgreichen Firmengruppe. Weiz 2001.