Gaußgasse

Johann Carl Friedrich Gauß, * 30. April 1777 in Braunschweig; † 23. Februar 1855 in Göttingen, deutscher Mathematiker, Astronom, Geodät (Wissenschaft von der Ausmessung und Abbildung der Erdoberfläche) und Physiker mit einem breit gefächerten Feld an Interessen.

Carl Friedrich war das einzige Kind der Eheleute Gerhard Dietrich und Dorothea Gauß. Sein Vater hatte viele Berufe, er war unter anderem Gärtner, Fleischhauer, Maurer, Kaufmannsassistent und Schatzmeister einer kleinen Versicherungsgesellschaft. Anekdoten besagen, dass bereits der dreijährige Carl Friedrich seinen Vater bei der Lohnabrechnung korrigierte. Später sagte er von sich selbst, er habe das Rechnen vor dem Sprechen gelernt. Sein Leben lang behielt er die Gabe, selbst komplizierteste Rechnungen im Kopf durchzuführen.

Bereits in der Volksschule fiel seinem Lehrer die außergewöhnliche mathematische Begabung des Jungen Gauß auf, was auch dazu führte, dass Gauß das Gymnasium besuchen konnte. Als der Wunderknabe Gauß vierzehn Jahre alt war, wurde er dem Herzog Carl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig bekannt gemacht. Dieser unterstützte ihn sodann finanziell und sorgte für seinen Lebensunterhalt. So konnte Gauß von 1792 bis 1795 am Collegium Carolinum studieren, das zwischen höherer Schule und Hochschule anzusiedeln ist und der Vorgänger der heutigen Technischen Universität in Braunschweig ist. Dort war es der Professor Eberhard August Wilhelm von Zimmermann, der sein mathematisches Talent erkannte, ihn förderte und ihm ein väterlicher Freund wurde.

Im Oktober 1795 wechselte Gauß an die Universität Göttingen. Im Alter von neunzehn Jahren gelang es Gauß als Erstem, die Konstruierbarkeit des regelmäßigen Siebzehnecks zu beweisen – eine sensationelle Entdeckung, denn seit der Antike gab es auf diesem Gebiet kaum noch Fortschritte. Dies war mit ein Grund, sich gegen Sprachen und Philosophie und für das Studium der Mathematik zu entscheiden, das er 1799 mit seiner Doktorarbeit an der Academia Julia (Universität in Helmstedt) abschloss. Nach seiner Promotion lebte Gauß in Braunschweig von dem kleinen Gehalt, das ihm der Herzog zahlte, und arbeitete an seinem Werk Disquisitiones arithmeticae. Nach dem plötzlichen Tod des Herzogs wurde Gauß im November 1807 Professor in Göttingen und Direktor der dortigen Sternwarte.

Gauß starb am 23. Februar 1855 morgens um 1 Uhr 5 Minuten in Göttingen. Heute liegt er dort auf dem Albanifriedhof (Cheltenham-Park) begraben, sein Gehirn jedoch wurde entnommen. Es wurde mehrfach mit verschiedenen Methoden, aber ohne besonderen Befund, der seine Rechenleistungen erklären würde, untersucht (zuletzt 1998). Es befindet sich heute separat, in Formalin konserviert, in der Abteilung für Ethik und Geschichte der Medizin der Medizinischen Fakultät der Universität Göttingen. Viele seiner Entdeckungen teilte er in Briefen Freunden mit oder notierte sie in seinen Tagebüchern, die erst 1898 entdeckt wurden.

Gauß' Leistungen sind vielfältig. Unter anderem veröffentlichte er Untersuchungen zur Zahlentheorie und begründete das absolute physikalische Maßsystem. Darüber hinaus entwickelte Gauß eine geschlossene Formel, um das Osterdatum für jedes beliebige Jahr rechnerisch ermitteln zu können.