Service-Reportage: Stadtbücherei

Die Bücherei für 0- bis 101-Jährige

Der dritte Teil unserer Reportageserie porträtiert eine Serviceeinrichtung, die ein ganz besonderes Aushängeschild von Weiz ist: Die Stadtbücherei im Weberhaus ist Treffpunkt für Kinder, Jugend und Familien jeden Alters und alles andere als eine 08/15-Bibliothek.

Lesefaul sind die Weizer nicht, soviel steht fest. Die Stadtbücherei verzeichnet seit Jahren steigende Besucher- und Leserzahlen und hält damit dem allgemeinen Trend entgegen, wonach immer weniger Menschen in ihrer Freizeit ein Buch in die Hand nehmen.

66.000 Entlehnungen bei 11.500 Einwohnern

Wahrscheinlich liegt das daran, weil der Bestand in der Stadtbücherei weit über klassische Bücher hinausgeht, wie deren Leiterin, Vize-Bgm. Iris Thosold stolz erklärt: Zu leihen und zum Durchschmökern vor Ort gibt es nämlich auch Hörbücher, E-Books, Zeitschriften, DVDs und Spiele. Auch ein ansehnlicher Bestand an mehrsprachigen Publikationen, sowie eine entwicklungspolitische Mediathek finden sich auf den beiden Etagen der Stadtbücherei. Der Bestand wird laufend ausgemustert und möglichst aktuell gehalten. Viele Neuerscheinungen sind im Sortiment. Das sei auch unbedingt nötig, wie Iris Thosold sagt, denn „ein altes Buch greift keiner an“.

Die moderne Bücherei mit iPads, Spielen und Filmen

66.000 Entlehnungen pro Jahr halten ihr Team auf Trab. Der Bestand dafür muss schließlich auch ausgewählt, angekauft, zugeordnet, foliert und erfasst werden. Arbeit, die meist außerhalb der Öffnungszeiten erledigt wird, und für die Besucher nicht sichtbar ist. 66.000 Entlehnungen sind eine erstaunliche Zahl für eine Stadt mit gut 11.000 EinwohnerInnen – theoretisch leiht sich im Schnitt jeder Weizer und jede Weizerin mehr als fünfeinhalb Bücher/Spiele/DVDs jährlich in der Stadtbücherei aus.

Ein Wäschekorb voller Bücher

Das große Angebot lockt Leseratten aller Altersgruppen: Die jüngsten Besucher seien wenige Monate alt und kommen mit ihren Mamas, Papas oder älteren Geschwistern zur Lesekuschelzeit mit. Die älteste Leserin hingegen sei 101 und borge regelmäßig Bücher aus – in normaler Schriftgröße, wie Mitarbeiterin Pia Grunner-Reimoser betont. Rund 1.500 aktive LeserInnen kommen jährlich in die Bücherei – hauptsächlich Stammkunden, die im Rhythmus von zwei bis fünf Wochen wiederkommen. Und manche von ihnen gehen dann mit einem ganzen Wäschekorb oder Koffer voller Bücher wieder nachhause. Dann etwa, wenn ein Campingurlaub mit der Familie ansteht.

Besonders intensiv ist der Jänner, wo es durchschnittlich 400 Entlehnungen pro Tag gibt, erzählt Bücherei-Mitarbeiterin Josefa Schatzmayr; kalt-nasses Wetter lädt eben besonders zum gemütlichen Lesen ein. Die LeserInnen werden von vier fixen Mitarbeiterinnen betreut: neben Leiterin Iris Thosold, Josefa Schatzmayr und Pia Grunner ist das Karin Raminger. Darüber hinaus gibt es noch eine Vielzahl an fleißigen Händen, die ehrenamtlich mitarbeiten.

Leiterin Iris Thosold mit Josefa Schatzmayr, Karin Raminger und Pia Grunner-Reimoser (re.vo.)

Lesen ist jung und weiblich

Weiblich ist nicht nur das Team der Bücherei, das sind auch die meisten Leser: Etwa dreimal so viele Frauen als Männer sind in der Kartei registriert. Und dreimal so viele unter 14-Jährige, als über 14-Jährige. Die Bücherei ist also vor allem auch ein Ort für Kinder. Die Jugend breche zwischendurch weg, erklärt Iris Thosold, käme dann aber als Erwachsener oft wieder. Oft dann, wenn aus Jugendlichen selbst Mamas oder Papas geworden sind und man das Lesen seinen Kindern näherbringen möchte. Dann wird die Bücherei wieder zu einem beliebten Treffpunkt für Familien.

Überhaupt geben in dieser Bücherei die Leser den Takt an: Etwa die Hälfte der Ankäufe geht auf die Wünsche der Leser zurück, sagt Iris Thosold. Beschränkungen gibt es kaum. Eingekauft werden die Bücher ausschließlich regional, Amazon &Co. sind tabu. Wichtig ist ihr auch, dass die Bücher schnell erhältlich sind. Werden sie schon besonders sehnlichst herbeigewünscht, kann es schon einmal sein, dass das Buch verborgt wird, noch bevor es im System erfasst und foliert wird. Der/die LeserIn steht eben im Mittelpunkt.

Man darf sehen, „dass viel Betrieb war“

Was den Mitarbeiterinnen besonders wichtig ist: die Besucher, egal ob jung oder alt, sollen sich in der Bücherwelt wohlfühlen. Das sei das wesentlichste überhaupt, sind sich die vier Kolleginnen einig. Mit einer verstaubten Bibliothek hat die Weizer Stadtbücherei deshalb rein gar nichts zu tun: „Manche Bibliotheken wollen nicht, dass Unordnung in die Bibliothek kommt. Wir sind glücklich, wenn man sieht, dass viel Betrieb war“, erklärt Iris Thosold.

Infobox: Stadtbücherei Weiz

Adresse: Weberhaus, Südtirolerplatz 1

Kontakt: 03172 / 2319-600 | buecherei.weiz.at I stadtbuecherei@weiz.at

Öffnungszeiten:

Mo: geschlossen
Di: 15-18 Uhr
Mi: 9-13 und 15-18 Uhr
Do: 8.30 – 18.30 Uhr
Fr: 15-18 Uhr
 

„Comics, immer groß im Rennen“

„Es geht ja gar nicht anders, Kinder wollen angreifen und schauen, viele kommen auch überhaupt nur zum Spielen her“, ergänzt Karin Raminger. Manche Kinder verbrächten ganze Nachmittage in der Bücherei. Die müsste man dann manchmal um 18 Uhr bei Dienstschluss richtiggehend hinausbitten. Dass sich Jung und Alt wohlfühlen liegt auch daran, dass die Bücherei für jeden Geschmack etwas führt. Comics zum Beispiel – ganz nach dem Prinzip: „Lieber die Kinder lesen mit Freude Comics, als sie lesen gar nichts“ (Pia Grunner).

Eine Vielzahl an Veranstaltungen, Projekten und Kooperationen machen die Bücherei zu einer Erlebniseinrichtung. Die Ideen dafür entspringen der Kreativität der vier Kolleginnen. Schon oft sei man Vorbild für andere Büchereien gewesen, und das Lesezentrum Steiermark, das rund 600 Bibliotheken betreut, holt sich Inspirationen aus Weiz, so Iris Thosold.

Der Lesekoffer im Schwimmbad

Über den normalen Betrieb hinaus wurden 2017 rund 50 Veranstaltungen organisiert, dazu kommen über 60 Schulbesuche. Mit Aktionen wie dem Lesekoffer im Schwimmbad, einem sommerlichen Lesepoint mit Liegestühlen inkl. einer kleinen Bibliothek im Weberhaus-Hof, oder den regelmäßigen Lesekuschelzeit-Terminen, die zum Teil auch auswärts zB. im EKIZ stattfinden, werden neue Leser gewonnen. Hinzu kommt ein riesiger Basar, auf dem alle zwei Jahre rund 5.000 Bücher den Besitzer wechseln.

Neben Kooperationen mit einer Vielzahl an Schulen und anderen Bildungseinrichtungen, arbeitet die Bücherei auch mit Sozialeinrichtungen und –projekten zusammen. Etwa mit der ehrenamtlichen Ortsgruppe der Volkshilfe Weiz, die von Mitarbeiterin Karin Raminger geleitet wird. Hier wird Handgestricktes für einen guten Zweck verkauft. Zudem bietet ein zeitgemäßer Online-Auftritt Service auch von zu Hause aus. Das Erfolgsrezept für eine gut besuchte Bücherei beinhaltet also viele Zutaten. Die wichtigste wird von Iris Thosold gleich mehrfach genannt: „Der Leser steht im Mittelpunkt.“

Lesetipps aus der Stadtbücherei: